Back to All Events

Glitchy networks

  • Projektraum Kunstverein Wagenhalle Stuttgart Germany (map)

Glitchy networks for string quartet, electronics and light installation.

Konzept, Komposition, Elektronik, Licht - Marta Haladzhun 
Violine - Malin Grass 
Viola - Marc Kopitzki
Violoncello - Céline Papion
Kontrabass - Sophia Scheifler
Lichtinstallation - Holophote

Ausgehend von der Netzwerkintelligenz des Schleimpilzes Physarum polycephalum entstand Marta Haladzhuns multimediales Werk für Streichquartett, Elektronik und LED-Lichtinstallation Glitchy Networks.

Physarum polycephalum besitzt kein Gehirn und entwickelt dennoch komplexe Formen der Wahrnehmung, Anpassung und Informationsverarbeitung. Physarum stellt die Annahme infrage, dass Bewusstsein an ein Nervensystem gebunden sein muss. Der Schleimpilz lässt aus queerer Perspektive auch normative Vorstellungen von Natur, Körper, Reproduktion und Ordnung hinterfragen und lenkt den Blick auf Formen des Lebens, die sich nicht eindeutig kategorisieren lassen. Weder eindeutig Tier, Pflanze noch Pilz – wird er dabei im Sinne der Queer Ecology zu einem Beispiel für fluides, relationales und nicht-normatives Leben.

Damit berührt das Projekt philosophische Fragen nach Bewusstsein, Macht, Ordnung und nicht-zentralisierten Organisationsformen. Während Matthew Sims anhand des Schleimpilzes die Vorstellung von Kognition als etwas Gehirnzentriertes hinterfragt, eröffnet Foucault mit dem Konzept der Heterotopie eine Perspektive auf Räume, in denen bestehende Ordnungen gespiegelt, verschoben und anders organisiert werden. Das Wachstum des Schleimpilzes wird dabei zu einem biologischen Modell einer rhizomatischen Organisation: einer Struktur ohne festen Mittelpunkt oder hierarchische Ordnung, die sich verzweigt, Verbindungen herstellt, unterbricht und neu bildet.

Auch die Form des Stücks entsteht nicht aus einem einzigen Zentrum, sondern wächst, verzweigt sich, verdichtet sich und zerfällt – rhizomatisch und prozessual. Anhand von harmonischem Material der Barockkomponistin Francesca Caccini entwickelt sich ein musikalisches Netzwerk, in dem vertraute Strukturen durch Glitches verschoben werden: Verbindungen reißen ab, Signale werden verzögert, Informationen falsch interpretiert und lokale Abweichungen erzeugen unerwartete neue Verläufe.

Vier Streicher, elektronische Klänge und eine auf das musikalische Geschehen reagierende Lichtinstallation bilden ein lebendiges Netzwerk aus Resonanz, Störung und Veränderung. Es entsteht ein performativer Raum zwischen Natur und Technologie. Elektronik und Licht werden zu aktiven Teilen des Systems: Sie reagieren auf Veränderungen, transformieren sie und geben sie an den Raum und die Musiker zurück.

Glitchy Networks lädt das Publikum ein, Vernetzung und Transformation als sinnlich erfahrbare Klang- und Lichtlandschaft zu erleben.

Previous
Previous
October 16

Slime Mold